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Der Frauenfriese

 

"Obwohl der Friese ansonsten sehr brav ist und sich sogar in Schützenzügen reiten lässt, hat  der Friese eine panische Angst vor Männern. Vor dem Schmied, dem Tierarzt ergreift es die Flucht. Der Friese lässt sich noch nicht einmal von Männern aufsatteln".

So etwas hört man häufig !!!

Dem Verhalten des Friesen nach zu urteilen, wird dieser bereits während seiner Fohlenzeit oder einer anderen Ihnen unbekannten Situation unerfreuliche Begegnungen mit einem oder mehreren  Männern gehabt haben. Daraus entstand bei dem ansonsten sehr braven und umgänglichen Friesen eine Schwellenangst von der weiblichen zur männlichen Kontaktperson, die auf den Friesen einen nachhaltigen und bedrückenden  Eindruck hinterlassen hat. So ist es trotz der Vorsicht und Umsicht bisher nicht gelungen, auch nur eine annähernd gute Vertrauensbasis des Friesen zu männlichen Personen aufzubauen. Wahrscheinlich wurde durch den  sicher unschuldigen Schmied diese Abneigung gegen Männer vertieft, da schon das Beschlagen allein bei fast allen Friesen eine natürliche Nervosität hervorruft.
Das Verhalten des Friesen ist zwar nicht oft zu  beobachten, jedoch auch wieder nicht so selten, als dass man in dieser Eigenart einen Einzelfall sehen kann. Wie es Menschen gibt, die mutig von hohen Skisprungschanzen oder im Schwimmsport von zehn Meter hohen Türmen  bedenkenlos in die Tiefe springen, sich aber dann beim Arztbesuch ängstlich in den hintersten Wartezimmerwinkel verkriechen, so wird es Friesen geben, die beim Erscheinen des Arztes - aus Sicht des Friesen muss der  Schmied dazu gerechnet werden - in panische Angst verfallen.
Da er Friese in einem ruhigen kleinen Privatstall stand und nahezu bei jedem Tierarzt- oder Schmiedbesuch “an die Reihe kam”, wird bei dieser Veranlagung  die Angst immer weiter aufgebaut. 

In Ställen mit größerem Friesenbestand erscheinen Tierarzt und Schmied fast täglich; und diese können sich dann mit den besonders ängstlichen Friesen auch einmal zwanglos und beiläufig  beschäftigen, ohne sie gleich “zu behandeln”. So könnte die Angst allmählich abgebaut werden. Aber nur dann, wenn beiläufige Besuche von Männern zum täglichen Ablauf des Friesenlebens gehören. In einem Privatstall ist  das kaum zu realisieren.
Das  ängstliche Verhalten wird auch nur ganz allmählich zu beheben sein, da Friesen über keinen Gedankenaufbau, sondern lediglich über eine sehr ausgeprägte Empfindsamkeit und ein  außergewöhnlich gutes Gedächtnis verfügen, was jedoch nicht als besondere Intelligenz ausgelegt werden darf. 

Die Eigenschaften eines Friesen schalten daher eine Einsicht völlig aus. Es bleibt dann nur der Weg, den Friesen  mit seinen vorhandenen Eigenschaften - dem Erinnerungsvermögen und der Empfindsamkeit - an den Umgang mit Männern zu gewöhnen.


Es wäre denkbar, dass sich das Verhalten des Friesen ändert, wenn Männer nicht mehr mit  Aufgaben betraut werden, die für den Friesen ohnehin schon unerfreulich sind. Das würde bedeuten, dass nur noch Männer den Friesen füttern. Beim Füttern selbst nimmt dann der Mann zunächst nur einen flüchtigen Kontakt zum  Friesen auf: Er betritt beim Füttern die Box, streichelt den Friesen kurz und verlässt schon bald wieder die Box, um die Futteraufnahme des Friesen nicht zu stören. Der Mann darf dem Friesen nicht “lästig” werden. Ebenso  sollten Sie darauf verzichten, alle zusätzlichen Leckereien wie Möhren und Äpfel dem Friesen selbst zu geben. Auch das übernehmen nun die Männer.
Hat sich dann zu einem Mann ein besonderes Vertrauensverhältnis  aufgebaut, kann derselbe den müden, hungrigen Friesen nach einem langen Weidetag von der Koppel in den Stall zu führen. Ergeben sich hierbei keine Probleme, bringt er am folgenden Tag auch den Friesen zur Weide. Der nächste  Schritt wäre dann - nach einer ausgiebigen Reitstunde -, den Friesen vom Reitplatz oder der Halle zum vertrauten Stall zu führen.
Alle Handlungen, die von dem Friesen nicht mit besonderer Freude aufgenommen werden,  übernehmen Sie weiterhin selbst. Dazu könnte das Ausmisten gehören - einstreuen und Heu vorlegen gehört wieder zu den Aufgaben des Mannes. Sie satteln und reiten den Friesen, kratzen die Hufe aus, frisieren oder verladen  es auf den Transporter.
Nach einiger Zeit kann dann eventuell ein Mann, nachdem Sie Ihren Friesen ausgiebig geritten haben, das Trockenreiten übernehmen. Die genaue Aufgabenverteilung sollten Sie jedoch allein  übernehmen, da Sie am besten wissen, was Ihr Friese mag und was nicht. Hat sich auf diesem Weg innerhalb des Stalles zwischen Ihrem Friesen und einem Mann eine erträgliche Beziehung aufgebaut, sollten Sie dennoch nicht zu  euphorisch sein. Alles kann wieder zusammenbrechen, sobald Ihr Friese wieder Gerüche und Stimmen des Arztes oder des Schmieds wahrnimmt. Hat Ihr Friese nun einmal in einem kleineren Privatstall eine besondere Angst vor  dem Tierarzt und dem Schmied, entstand schon daraus eine allgemeine Abneigung gegen den “Mann”. Unter diesen Umständen wird es schwierig bleiben, dieses Verhältnis zu verbessern.
Sie werden bei Ihrem Vorhaben, dem Friesen die Angst vor Männern zu nehmen, vor mindestens zwei erhebliche Probleme gestellt werden: Hierzu die notwendige Konsequenz und Ausdauer aufzubringen und den Mann zu finden, der bereit ist, Ihnen in der erwähnten  Beständigkeit zur Seite zu stehen.